Projektupdate
Luchs Juno nach anderthalb Jahren wiederaufgetaucht

© Archiv Naturschutz LfULG/Alexander Sommer
Pressemitteilung Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Sachsen, Deutschland, 18.03.2026:
Seit Anfang des Jahres häuften sich Hinweise auf einen Luchs in der Region zwischen Freiberg, Flöha und der deutsch-tschechischen Grenze des mittleren Erzgebirges. Das Tier war unter anderem in Fotofallen getappt und zeigte bei der Auswertung der Wildkamerafotos eine ähnlich schwache Fellzeichnung wie die des Luchsmännchens Juno, dessen Spur sich vor etwa anderthalb Jahren im Forstbezirk Eibenstock im Westerzgebirge verlor.
Schließlich gab eine Luchsspur im Schnee bei Flaje, nahe der Grenze zu Sachsen, bei der auch eine Urinprobe gewonnen werden konnte, Gewissheit. Mit Hilfe einer genetischen Analyse konnte das Tier individualisiert werden: Es handelt sich eindeutig um das Luchsmännchen Juno, das am 18. März 2024 als erster Luchs im Rahmen des Projektes »RELynx Sachsen« ausgewildert wurde, wie das Landesumweltamt Sachsen heute in Dresden mitteilte.
Dass Juno nach so langer Zeit wiedergefunden wurde, ist eine kleine Sensation für alle Projektbeteiligten und für das Luchsmonitoring in Sachsen. Der letzte eindeutige Nachweis von Juno stammte aus dem September 2024 von einer Fotofalle aus dem Forstbezirk Eibenstock. In der Region hatte sich Juno nach seiner Auswilderung kleinräumig aufgehalten. Was den zweijährigen Luchs veranlasst hatte, abzuwandern, ist unklar. In der Regel bleiben Luchse dort, wo schon andere Luchse sind. In Junos Fall waren es die beiden ausgewilderten Luchsweibchen Alva und Nova, deren Territorien sich mit dem Territorium von Juno überlappten.
Bleibt Juno im mittleren und östlichen Erzgebirge, trägt er in der diesjährigen Paarungszeit von Februar bis April wahrscheinlich nicht zu weiterem Nachwuchs in der kleinen Kernpopulation im Westerzgebirge bei. Dabei sind unterschiedliche Verpaarungen zwischen den Luchsen wünschenswert, um die Gene möglichst vieler ausgewilderter Tiere in die nächste Generation zu tragen und so eine genetische Vielfalt in der Population zu bewahren.
Hier noch ein kurzer Überblick zu den anderen ausgewilderten Luchsen in Sachsen:
- »Nova« ist Anfang 2025 nach Thüringen abgewandert. Fotofallenaufnahmen belegen, dass sie sich nach wie vor bei Jena aufhält.
- »Alva« hatte sich im Frühjahr 2025 mit »Chapo« gepaart und zwei Junge, ein Männchen und ein Weibchen, zur Welt gebracht. Sie streift nach wie vor großräumig durch ihr Territorium in der Region Eibenstock. Mit ihren beiden Jungtieren, die inzwischen stattlich herangewachsen sind, ist sie zuletzt am 1. März in eine Wildkamera getappt. Alle drei Tiere machen einen vitalen Eindruck.
- »Chapo« wird ebenfalls immer wieder großräumig in der Region Eibenstock nachgewiesen. Die letzte Fotofallenaufnahme stammt vom 9. März. Bemerkenswert sind Wildkameraaufnahmen aus dem Januar, die Chapo zusammen mit Alva zeigen. Das kann ein Zeichen auf die Paarungszeit sein. Außerhalb der Paarungszeit sind Luchse eher Einzelgänger. Die Aufzucht der Jungen übernehmen die Luchsweibchen.
- »Charlie« trägt noch ein GPS-Senderhalsband und sendet regelmäßig Daten aus Tschechien. Er hält sich überwiegend westlich von Sankt Joachimsthal auf dem Truppenübungsplatz Hradiště auf.
- »Freya« ist wenige Wochen nach ihrer Auswilderung im Spätsommer 2025 in Richtung Zwönitz gewandert und hielt sich dort mindestens bis Ende Dezember in den waldreichen Gebieten östlich von Zwönitz auf. Wildkameraaufnahmen der Jägerschaft bestätigen das.
In Sachsen wurden seit dem Frühjahr 2024 insgesamt sieben Luchse im Forstrevier Eibenstock des Westerzgebirges ausgewildert. Eines der Tiere lebt nicht mehr. Luchs »Anton« wurde nur wenige Wochen nach seiner Auswilderung überfahren. In diesem Jahr sollen im Spätsommer zwei weitere Luchse ausgewildert werden.
Das »Projekt RELynx Sachsen« wurde 2022 durch den Freistaat Sachsen ins Leben gerufen. Im Zuge dessen sollen, über mehrere Jahre gestaffelt, bis zu 20 Karpatenluchse (Lynx lynx carpathicus) im Erzgebirge ausgewildert werden. Ziel ist es, eine Luchspopulation zu etablieren, die im Verbund mit anderen Luchsvorkommen in Deutschland und Europa dazu beitragen soll, die seltene und gefährdete Art langfristig zu erhalten.
Der Wiederfund von Juno unterstreicht, wie wichtig das ehrenamtliche Netzwerk der Luchserfasser und der deutsch-tschechische Informationsaustausch zum Kenntnisstand und zum Schutz der Luchse sind. Zum RELynx-Projektteam gehört deshalb auch eine tschechische Wildtierbiologin, die über Wildkameras das Monitoring im Nachbarland betreibt und im Kontakt mit den lokalen Jägern und Förstern steht.
