Projektupdate

Verschollene Luchsin Vreni wieder aufgetaucht – mit Nachwuchs

Erster dokumentierter Fortpflanzungserfolg einer im Thüringer Wald ausgewilderten Luchsin

© Luchs Thüringen© Luchs Thüringen

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Pressemitteilung Bund Thüringen, 07.05.2026:

Große Freude im Artenschutzprojekt „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“: Die im August 2024 ausgewilderte Luchsin Vreni, von der lange jede Spur fehlte, ist wieder aufgetaucht – gemeinsam mit mindestens einem Jungtier. 

Nach ihrer Auswilderung im Thüringer Wald im August 2024 war der Kontakt zu Vreni aufgrund eines technischen Defekts am GPS-Sender frühzeitig abgebrochen. Über ein Jahr gab es kein Lebenszeichen des Tieres. Erst durch neue Aufnahmen von Fotofallen, die im Februar und März dieses Jahres entstanden, konnte Vreni nun anhand ihrer individuellen Fellzeichnung eindeutig identifiziert werden. Eine der Aufnahmen zeigt außerdem einen jungen Luchs, der Vreni in kurzem Abstand folgt.

„Wir sind überglücklich, dass Vreni noch am Leben ist und dass sie sich weiterhin im Thüringer Wald aufhält. Als ich die Luchsin und ihr Jungtier bei der Durchsicht der Fotofallen-Aufnahmen entdeckt habe, war dies für mich eine der Sternstunden unseres Projektes“, freut sich Dr. Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen.

„Nach dem Ausfall des Halsbandsenders begann für uns im Projektteam eine lange Zeit der Ungewissheit“, ergänzt Dr. Max Boxleitner vom WWF. „Wir haben dennoch gehofft, wieder ein Lebenszeichen von Vreni zu bekommen. Die Hoffnung gibt man nie ganz auf.“

Das Jungtier, das auf der zweiten Aufnahme zu sehen ist, ist bereits fast ausgewachsen, und dürfte im Frühjahr 2025 zur Welt gekommen sein. „Die etwa zweijährige Vreni hat sich also schon im ersten Jahr nach ihrer Auswilderung erfolgreich fortpflanzen können. Das ist ein großer Erfolg für unser Projekt“, erklärt Port. Luchse bringen einmal im Jahr, in der Regel im Mai oder Juni meist 2-4 Junge zur Welt. 

Das Projektteam war durch die Aufnahme einer privaten Wildkamera auf Vrenis Spur gekommen, und hatte daraufhin im November 2025 begonnen, eigene Kameras in der Fläche aufzustellen. Großer Dank gilt den Jagdpächtern und Waldbesitzenden in der Region, deren Unterstützung einen entscheidenden Beitrag bei der Suche nach Vreni leistete.

Tatkräftige Unterstützung kam außerdem von den zuständigen ThüringenForst Revierleitern. „Unsere Mitarbeitenden sind täglich draußen in der Fläche und unterstützen das Projekt nach Kräften, indem sie Beobachtungen und Hinweise aufnehmen und weiterleiten. Für die ThüringenForst-AöR stellt die Bestandsstützung des Luchses eine Bereicherung unseres Waldökosystems dar. Daher setzen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern dafür ein, ihm im Thüringer Wald weiterhin dauerhaft eine Heimat zu geben“, sagt Jörn Ripken, ThüringenForst-Vorstand.

Ob das zweite im Oktober 2025 fotografierte Jungtier noch am Leben ist, ist derzeit nicht bekannt. Nicht immer werden alle Jungtiere von einer Fotofalle erfasst. Die Jungensterblichkeit ist aber bei Luchsen hoch. 

Vreni stammt aus dem Wildnispark Zürich, wo sie im Frühjahr 2023 geboren wurde. Nach Beendigung des Wiederansiedelungsprojektes im Nationalpark Harz in den frühen 2000er Jahren, ist Vreni die erste in menschlicher Obhut geborene Luchsin, die in Deutschland im Freiland Junge zur Welt gebracht hat. Dies ist ein großer Erfolg für den Artenschutz! 

Vrenis Nachwuchs markiert einen entscheidenden Schritt beim Aufbau einer stabilen Population. Ziel des Projekts ist es, im Thüringer Wald eine dauerhafte Luchspopulation zu etablieren und damit eine wichtige Verbindung zwischen den bestehenden Vorkommen im Harz und im Bayerischen Wald zu schaffen.

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