Umsiedlung
Zwei Luchse auf einen Streich
Lotta und Luca in Sachsen ausgewildert

© Ronny Oehme
Pressemitteilung Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie , 17.08.2026:
Heute, am 17. August 2026, sind zwei weitere Luchse im Rahmen des Projektes «RELynx Sachsen» im Forstbezirk Eibenstock/Westerzgebirge ausgewildert worden. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden mit.
Bei dem etwa ein Jahr alten Luchsweibchen Lotta handelt es sich um eine Nachzucht aus dem Wildgatter Oberrabenstein des Tierparks Chemnitz. Das Zuchtpaar hat in diesem Jahr bereits zum vierten Mal erfolgreich Nachwuchs zur Welt gebracht und leistet damit einen genauso wertvollen Beitrag zur Erhaltung dieser Art wie der Tierpark «Domaine Des Grotte-de-Han» in Belgien, aus dem das gleichaltrige Luchsmännchen Luca stammt. Zur Einordnung: Luca ist ein Geschwistertier von Luchs Anton, der im Spätsommer 2024 ausgewildert worden war und leider nur wenige Monate danach überfahren wurde.
Beide Tiere zogen im Frühjahr ins Koordinierungsgehege im Wildkatzendorf Hütscheroda um. Dort wurden sie weitgehend menschenfern auf ihre Auswilderung vorbereitet. Sowohl Lotta als auch Luca bestanden alle erforderlichen Verhaltens- und Gesundheitstest. Beim vorsichtigen Öffnen der beiden mit Stroh ausgelegten Transportkisten sprangen die Luchse im zeitlichen Abstand von wenigen Minuten in ihren neuen, reich bewaldeten Lebensraum im Eibenstocker Forst.
Mit jedem weiteren ausgewilderten Luchs wächst die Population vor Ort. Gleichzeitig bringen die neu ausgewilderten Tiere neue Gene mit. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, den Genpool der sächsischen Luchspopulation zu bereichern und sie langfristig widerstandsfähiger zu machen. Ziel ist es, eine sogenannte Trittsteinpopulation im Erzgebirge zu etablieren, um die Vernetzung der Luchsvorkommen langfristig zu verbessern.
Es gibt noch einen weiteren Grund zur Freude. Die im Frühjahr 2024 ausgewilderte Luchsin Alva hat zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen. Mit Hilfe von Wildkameras konnten im Juli zwei Jungtiere nachgewiesen werden. Die Aufnahmen zeigen die jungen Luchse beim Spielen und Erkunden ihrer Umgebung. Die Geschwister aus dem letzten Jahr sind inzwischen weitgehend selbständig und halten sich nach wie vor im Projektgebiet auf. Die wiederholte Fortpflanzung ist ein bedeutender Erfolg für den Luchs in Sachsen und auch ein Zeichen dafür, dass sich die Luchsdame hier wohlfühlt.
Die Kombination aus natürlichem Nachwuchs und gezielten Auswilderungen schafft gute Voraussetzungen dafür, dass sich der Luchs im Erzgebirge weiter etabliert.
Fachlicher Hintergrund:
Mit Lotta und Luca sind bisher neun Tiere im Rahmen des Projektes «RELynx Sachsen» im Forstbezirk Eibenstock seit 2024 ausgewildert worden. Im Jahr 2024 waren es fünf Tiere, darunter die beiden Wildfänge Alva und Nova aus dem Schweizer Juragebirge sowie die drei männlichen Tiere aus Tiergehegen: Anton, Chapo und Juno. Anton lebt nicht mehr. Er wurde überfahren und dabei tödlich verletzt. 2025 wurden mit Charlie und Freya zwei weitere Luchse aus Tiergehegen ausgewildert.
Die für eine Auswilderung vorgesehenen Tiere stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs. Die Verteilung der geeigneten Nachzuchten erfolgt über das Expertennetzwerk Linking Lynx. Das Ziel von Linking Lynx ist es, Populationen miteinander zu verbinden und eine überlebensfähige Luchs-Metapopulation zu etablieren. Erstrecken soll sie sich von den Karpaten über die deutschen Mittelgebirge bis in den Jura und die Westalpen.
